Falsch liegen und darüber hinweg kommen

Die größte Herausforderung im Leben ist Demut. Hochmut kommt schnell in jedem von uns auf, das liegt in unserer Natur als Menschen. Selbst wenn wir wissen, dass wir falsch liegen, können wir oft immer noch nicht so einfach nachlassen. Stolz zeigt sich auf viele Weisen und es gibt viele Situationen, bei denen sich der Stolz einschleicht und uns dazu bringt, unnötig Streit oder Beziehungsprobleme zu provozieren.

Unseren Perfektionismus erkennen und mit ihm Frieden schließen

Es ist sehr schwer zuzugeben, wenn man falsch liegt. Niemand mag Scham-Gefühl und verletzten Stolz. Dass wir nicht perfekt sind und vor allem, dass andere dies mitbekommen, das stört uns daran am meisten. Nicht recht haben bedeutet immer auch unfreiwillig eine Schwäche zu offenbaren. Wir fühlen uns verletzlich sowie in unserer Stellung und unserem Ansehen bedroht, gerade für unsichere Menschen ist dies ein sehr großer Motivator. Selbst diejenigen, die sonst keine perfektionistische Persönlichkeit haben, spüren diesen unbewussten Drang dazu, immer Recht haben zu wollen – in einer Welt, in der man nur selten Recht hat.

Dies muss jeder über die Menschheit erkennen und verstehen, wenn man wirklich verstehen will, warum es uns so schwer fällt, klein bei zu geben. Jeder ringt mit diesen (meist völlig unbewussten) Drängen. Uns mit unserem Bedürfnis nach (Selbst-)Sicherheit zu arrangieren, ist der erste Schritt auf dem Weg, unseren Stolz zu verstehen und zu überwinden. Er ist nur ein ganz natürliches menschliches Verhalten. Leider ist es aber Beziehung nicht sehr förderlich. Beziehungen brauchen auch ein gewisses Maß an Offenheit und akzeptierter Verwundbarkeit, in anderen Worten: Vertrauen. „Ich hatte Unrecht“ zu sagen ist ein großer Vertrauensbeweis in die andere Person.

Die Freiheit glücklich falsch zu liegen

Unser Perfektionismus lockt uns oft in die Falle. Stolz ist immer eine Falle, aus der man nur schwer wieder raus kommt. Denn umso weiter wir uns in etwas hinein steigern, desto schwerer wird es, zuzugeben, dass wir auf dem Holzweg waren. Wenn man schon am Anfang die dazu nötige Stärke nicht aufbringen kann oder nicht aufbringen will, wie soll diese Herausforderung dann später noch gestemmt werden, wenn noch mehr Emotionen im Spiel sind?

Der einzige Ausweg ist also, schon früh zuzugeben, wenn man falsch liegt, und dies keinen zu großen Einfluss auf das Selbstbild zuzulassen. In der Welt der Beziehungen ist selten eine Seite völlig im Recht und die Andere völlig im Unrecht, meistens geht es um Meinungen und Abstufungen. Jeder Mensch auf dieser Welt liegt immer wieder falsch, das ist sicher. Wenn man sich das vor Augen hält, dann ist es auch nicht so schlimm, wenn man selbst einmal unrecht hat: diese eine Sache macht einen nicht zu einem schlechteren Menschen als alle anderen. Genauso wird man nicht dadurch besser – und ganz sicher wird die Beziehung dadurch kein Stück besser – wenn man Recht hat. Aber davon, Größe zu zeigen und sich von so einer Kleinigkeit nicht beeindrucken zu lassen; das erhöht das Ansehen beim Partner und führt zu einer endspannten Lebenseinstellung.

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